Beyond “the new” Wittgenstein

Where do we stand today vis-à-vis Wittgenstein’s work? The short answer is that we are caught in a spiral of ever more detailed, ever more exacting, ever deeper digging, ever more sophisticated, ever more scholarly exegeses of his writings: a self-sustaining process in which, so it seems, we are increasingly in danger of losing sight of the world — which, as we should know from the very first sentence of Wittgenstein’s first publication, was what engaged him first and foremost.

Was “Bedeutung” bedeutet

   Umgangssprachlich bedeutet “Bedeutung” dreierlei. Das zeigt sich, wenn man das Wort ins Englische übersetzen will. Man denkt dabei zunächst an “meaning”, das ungefähr die semantische Bandbreite des deutschen Wortes hat – aber auch dieselbe begriffliche Unschärfe.[1] Englisch erlaubt uns daneben (1) “reference” oder “denotation”, (2) “connotation”, “intension” oder “sense” und (3) “significance” oder “importance”. Einmal auf diese Varianten aufmerksam gemacht, wird man sich bald der sachlichen Unterschiede auch im Gebrauch des deutschen Wortes bewußt. Also: (1) “‘Londres’ bedeutet die Hauptstadt Englands.” Der französische Name ‘Londres’ bezieht sich auf die englische Hauptstadt, er bezeichnet London. (2) “‘The British capital’ bedeutet ‘die britische Hauptstadt’.” Die beiden Ausdrücke besagen dasselbe. Beide beziehen sich auf London und charakterisieren die Stadt in derselben Weise. (3) “Beethoven war ein Komponist von Bedeutung.” Er war ein wichtiger, hervorragender Komponist, jemand, auf den es ankommt. “Das bedeutet mir gar nichts.” Es geht mich nichts an, läßt mich kalt.

Von der normativen Theorie zur diagnostischen Praxis

„Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisie-epoche vor allen anderen aus“, schreibt  Karl Marx 1848 in seinem Kommunistischen Manifest. Und er fährt fort: „Alle festen, eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können”. Um diese Entwicklungen zu verstehen brauchen wir eine neue Form von politischer Philosophie.

Zur Kritik der politischen Anthropologie

„Anthropos physei politikon zoon“. Wir übersetzen gemeinhin: „Der Mensch ist von Natur aus ein politisches Wesen“.  Der Satz steht so im ersten Buch der Politik  des Aristoteles  und ist gewiss der bekannteste, der am häufigsten nachgesprochene,  vielleicht auch der wichtigste, weil zugleich der grundlegendste in diesem Werk.[1] Der Satz ist grundlegend, insofern als er besagt, dass man die Politik von der Natur des Menschen her verstehen muss und nicht, wie Platon in seiner Politeia, von der Idee des Guten her. Aristoteles wird mit diesem Satz zum Begründer der politischen Anthropologie.

Der erkenntnistheoretische Anarchismus

Als ich in den frühen siebziger Jahren nach Berkeley kam, da stand Paul Feyerabend gerade auf dem Höhepunkt seiner akademischen Popularität. Jedes Semester waren bei ihm viele hunderte von Studenten eingeschrieben. Bald fand ich allerdings heraus, daß er jedem Studenten schon in der ersten Vorlesungsstunde eine Eins für den Kursus versprach. Er fügte dabei noch hinzu, daß es bei ihm natürlich keinerlei Prüfungen oder Hausarbeiten gäbe. Man bekam seine Eins selbst in der Tat, ohne jemals in der Vorlesung gewesen zu sein.

Heidegger und Oskar Becker

Oskar Becker und Martin Heidegger – beide 1889 geboren – standen sich lebenslang persönlich und philosophisch nahe. In frühen Jahren waren sie zu gleicher Zeit Schüler Edmund Husserls in Freiburg und dienten zusammen als seine Assistenten. Husserl betrachtete die zwei gelegentlich sogar als seine beiden designierten Nachfolger.

Heideggers Nationalsozialismus: Das ungelöste Rätsel

Heideggers Nationalsozialismus: Das ungelöste Rätsel Hans Sluga   (Unveröffentlichter Vortrag, Humboldt Universität, Berlin, Mai 1998)   1.   Der 28. Mai 1933 war ein Unglückstag für Martin Heidegger, aber das sollte ihm erst viel später offenbar werden, und selbst dann hat er das, öffentlich jedenfalls, nur unwillig und verklausuliert zugegeben.…

Globale Macht, globale Welt, globale Philosophie

Globalisierung ist zunächst ein Prozess menschlicher Machterweiterung, der mit technischen Fertigkeiten und technologischen Mitteln betrieben wird. In der so entstehenden globalisierten Welt wird die menschliche Machtausübung aber zunehmend der Macht der Gegebenheiten, Umstände, Ereignisse und Dinge ausgeliefert. Das Dilemma offenbart sich täglich in den Metropolen der Erde. Ihre Hochhäuser, Straßenschluchten und Verkehrssysteme sind Monumente der menschlichen Machtentfaltung aber auch des individuellen menschlichen Machtverlustes.